SSFV-Praxis-Tipps

 
Auf Äschen mit Pose und Nymphe

Die Pose ist ein zeitloses Angelgerät für fast alle Fälle. Die Fliege dagegen zählt zu den eleganten Feinheiten des Angelns. Scheuen Sie sich nicht, die scheinbar Unvereinbaren zu etwas zeitlos Elegantem zu kombinieren.


Es ist immer wieder faszinierend, einen erfahrenen Fliegenfischer beim Ausüben seiner Passion zu beobachten. In großen Bögen wird die Flugschnur erst in der Luft gehalten, um dann die Fliege mit größter Präzision an einem schnurgerade gestreckten Vorfach auf dem Wasser abzulegen. Sobald im Wasser verbliebene Schnurbögen von der Strömung erfasst werden, führt dies zum Dreggen und damit zu unnatürlichen Bewegungen der Fliege. Die edlen Äschen ignorieren solch unnatürlich präsentierte Köder im Winter oft rigoros.

Um selbst in stärkster Strömung und tiefen Gumpen bis zu den kapitalen Äschen am Grund vorzudringen und diesen die Insektenimitation auch dort noch attraktiv zu präsentieren, bedarf es einer enorm großen Erfahrung. Wie ich schon oft beobachten musste, gibt es nur wenige, die diese Erfahrung auch tatsächlich haben.

Nach der Lektüre zahlreicher Bücher über das Fliegenfischen, speziell auf Äschen, war für mich klar, dass es an der Zeit war, etwas Neues in Bezug auf das winterliche Äschenangeln mit der Fliege zu probieren. Eine möglichst natürliche Präsentation des Köders ist beispielsweise auch beim Angeln auf Döbel von großer Bedeutung. Doch hierbei benutze ich vorzugsweise eine Posenmontage, die es mir ermöglicht, den Köder exakt in der Wassertiefe zu präsentieren, die ich vorher auch eingestellt habe. Mit einer entsprechenden Tragkraft der Pose funktioniert dies auch in starker Strömung und tiefen Gumpen.

Warum also nicht anstatt eines Madenbündels oder eines Wurms einfach einmal eine Kunstfliege als Köder an der Posenmontage präsentieren?
 

Tiefe Fliegen






Pose und Fliegen – für Puristen gehört das nicht zusammen. Wer fangen will, darf das auch anders sehen.

Um meine Idee in die Tat umzusetzen, musste ich mir erst einmal einen Überblick über die verschiedenen Arten und Muster der kunstvoll gebundenen Insektenimitationen verschaffen. Da ich es primär auf kapitale Grundäschen abgesehen habe, sollte der Köder auch in entsprechenden Tiefenregionen präsentiert werden. Somit schließe ich für meinen Einsatz Trockenfliegen von Anfang an aus. Es blieben noch Nassfliegen und Nymphen übrig. Erstere haben aufgrund ihrer Flügel und kleinen Hecheln oft ein etwas größeres Volumen gegenüber Nymphen und damit auch eine größere Angriffsfläche für die Strömung. Deshalb setze ich Nassfliegen mit einer weniger kompakten Bebleiung ein als ich es bei Nymphen tue. Auf diese Weise präsentiere ich Nymphen immer hart am Grund während ich Nassfliegen eher verführerisch in Grundnähe tänzeln lasse.

Und, wie sich herausstellte, beides mit phänomenalem Erfolg. Zum erfolgreichen Fliegenfischen mit der Pose ist natürlich eine passende Ausrüstung vonnöten. Um ein Höchstmaß an Kontrolle über die Pose sicherzustellen fiel meine Wahl auf eine 8 Meter lange Bologneserute mit einer sensiblen Spitze und einem starken Rückgrat, die es mit kapitalen Äschen in starker Strömung aufnehmen kann.



Bei den Posen setze ich wegen Strömung und Gewässertiefe eher kompaktere tropfen- oder zwiebelförmige Modelle von 2,0 bis 5,0 Gramm Tragkraft ein. Als Hauptschnur dient mir eine 0,16er Monoschnur, welche ich über eine Schlaufenverbindung mit Vorfächern aus Fluorocarbon kombiniere. Je nach Beschaffenheit des Gewässerbodens wähle ich bei diesen einen Durchmesser von 0,12 bis 0,14 Millimeter. Bei vielen scharfkantigen Hindernissen im Wasser entscheide ich mich wegen der höheren Abriebfestigkeit stets für den größeren Vorfachdurchmesser, auch wenn man hierdurch manchmal etwas weniger Bisse verzeichnet.

Bei den Fliegen versprechen gerade im Winter eher kleinere Modelle Erfolg, da auch in der freien Natur kaum noch größere Fluginsekten anzutreffen sind. Bei Imitationen von Bachflohkrebsen kann man auch getrost zu etwas größeren Mustern greifen.

Zu guter Letzt musste ich noch feststellen, dass man beim winterlichen Watangeln besser nicht die gleichen Stiefel wie auch im Sommer benutzt. Speziell mit Neopren gefütterte Watstiefel, sind deutlich besser für die winterlichen Temperaturen geeignet, da sie den Angler praktisch doppelt isolieren.
 

Pose mit Nymphe




Für Nymphen setze ich stets eine Pose ein, die ein halbes Gramm mehr Tragkraft hat als ich eigentlich für die entsprechende Stelle wählen würde. Um trotzdem noch sensibel genug auf die Bisse reagieren zu können, muss die Pose immer perfekt bis zur Antenne austariert sein.

  • Bei der Bebleiung kommt eine Torpille zum Einsatz, die ca. 80 Prozent der Gesamttragkraft ausmacht. Der Rest wird mit einer Kette aus kleinen Bleischroten (0,1 bis 0,15 g) austariert.
  •  Das Vorfach sollte bei dieser Methode nicht zu lang gewählt werden, da sonst zu viel Bewegung in den Köder kommt: ca. 21 Zentimeter haben sich bewährt. Indem man die Montage bei Abtreiben mal mehr und mal weniger verzögert, kann man die Nymphen besonders verführerisch über den Gewässergrund hüpfen lassen. Das Beißverhalten ist oft von Tag zu Tag unterschiedlich, deshalb muss man etwas experimentieren.


 

Pose mit Nassfliege




Bei Nassfliegen benutze ich eine etwas kleinere Pose mit etwas geringerer Tragkraft, weil ich eine größere Beweglichkeit des Köders am Grund sicherstellen will.

  • Deshalb verzichte ich in diesem Fall auch auf eine Torpille als Bebleiungsschwerpunkt und tariere die Pose lediglich mit einer Bleikette aus. Hierbei sind die beiden untersten Bleie etwas kleiner als die restlichen, um den verschiedenen Strömungsverhältnissen unter Wasser gerecht zu werden.
  • Mit einer Vorfachlänge von ca. 26 Zentimeter ist eine deutlich höhere Beweglichkeit des Köders gewährleistet als bei der Nymphenmontage. Durch die ungleichmäßige Verzögerung der abtreibenden Montage tänzelt die Nassfliege dann durch die lange Bleikette im gesamten bodennahen Gewässerbereich auf und ab. Gerade im Winter trägt diese Art der Bewegung entscheidend zum Fangerfolg bei.

 

Viele Interessenten

Zu meiner großen Überraschung durfte ich feststellen, dass sich nicht nur Äschen für eine grundnah präsentierte Insekten-imitation interessieren. Neben Döbeln und Regenbogenforellen ließ sich sogar die ein oder andere schöne Barbe aus ihrer Winterlethargie locken. Allgemein fing ich Forellen und Döbel eher mit etwas sanfter präsentierten Nassfliegen. Die Äschen und Barben habe ich hauptsächlich mit hart am Grund präsentierten Nymphen überlistet.

Mittlerweile bin ich ein großer Fan des Posenangelns mit Kunstfliegen geworden und setze die Methode nicht nur im Winter, sondern in allen Jahreszeiten ein.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist es übrigens, dass man praktisch immer „frische“ Köder hat und sich keine großen Gedanken um die richtige Lagerung machen muss. Einfach Fliegendose auf und fertig. Was die Köderpräsentation angeht, so erreicht man, meiner Meinung nach, hierbei sogar eine deutlich höhere Präzision und Köderkontrolle als beim herkömmlichen Naßfliegen- und Nymphenfischen mit der Fliegenrute. Auch bei der Bissanzeige sind die hier beschriebenen Posenmontagen extrem sensibel und somit fischschonend. Dies bewirkte u.a., dass ich keinen einzigen Fisch mit dieser Methode gefangen habe, der nicht im vorderen Maulbereich gehakt war.

Es mag den einen oder anderen Puristen unter den Fliegenfischern geben, der es nicht allzu gerne sieht, wenn Kunstfliegen an einer Posenmontage angeboten werden. Letztendlich sollte aber jeder für sich selbst entscheiden, wie er seiner Passion nachgeht und seine Fische fängt, so lange diese hierbei keinen unnötigen Schaden nehmen. Es gibt keine richtige oder falsche Angeltechnik, es gibt lediglich erfolgreiche und weniger erfolgreiche Methoden.

 
Autor: Fynn Krause